Dreimal ein volles Haus der Temperamente
Waldorfschüler zeigen Achtklassspiel
Veitlahm – Vier Familien, vier Farben, vier Temperamente: „Das Haus der Temperamente“ von Johann Nestroy hatten sich die Achtklässler der Waldorfschule im Kulmbacher Land vorgenommen. Einen zweieinhalbstündigen Klassiker aus dem 18. Jahrhundert, der die vier Temperamente Cholerisch, Phlegmatisch, Melancholisch und Sanguinisch auf der Bühne in Szene setzt.
Vier Familien mit unterschiedlichen Temperamenten bewohnen die vier Wohnungen im Haus der Temperamente. Sie stehen vor einer der wichtigsten Entscheidungen ihres Lebens – denn der passende Ehemann für die Töchter muss gefunden werden. Was aber tun, wenn sich die Kinder mit jeweils gegenteiligem Temperament ineinander verlieben?
„Weil die Vorbereitungszeit mehr als ein Jahr war, sollten es drei Vorstellungen werden“, so die Überzeugung von Regisseurin Roswitha Scheel, die zusammen mit dem Klassenlehrer Wolfgang Kaufmann das Stück über den gesamten Zeitraum begleitete. Dass alle drei Vorstellungen Mitte Mai in der Kulturscheune in Veitlahmbis auf den letzten Platz besetzt waren, damit hatte aber keiner rechnen können.
Die Leistung der Schüler am Premierentag hatte sich anscheinend herumgesprochen, vor allem aber die Herzlichkeit, mit der sich die Schüler gemeinsam durch das Stück trugen und versuchten, die Temperamente für den Zuschauer sichtbar und spürbar zu machen. Der Zuschauer sollte ja während der Vorstellung „im Kopf“ mitmachen und sich über sein eigenes Temperament Gedanken machen. So wollten es die Schauspieler.
Jung und Alt waren begeistert, aber auch einig. „So einfach ist das gar nicht mit dem Temperament“, sagten viele beim Heimgehen, „ das Thema wird uns noch weiter begleiten “. Ein schönes Kompliment für eine kleine achte Klasse, die ja keinTheaterverein ist und das zusammen geschafft hat.
Traditionell werden Waldorfschüler acht Jahre von ihrem Klassenlehrer begleitet. Als Abschluss dieser gemeinsamen Zeit erarbeitet die Klasse das sogenannte Achtklassspiel. Die 15 Schülerinnen und Schüler standen nicht nur auf der Bühne, sondern hatten die Kulissen für das Stück selbst gestaltet und im Handarbeitsunterricht die Kostüme geschneidert.
Text: Melanie Rost
Fragen Sie sich als Zuschauer … Welches Temperament habe ich denn eigentlich? … In diesem Theaterstück werden diese – farblich unterstützt – im Haus der Temperamente in Szene gesetzt.
… der Choleriker … das rote Zimmer

… der Melancholiker … das grüne Zimmer

… der Sanguiniker … das gelbe Zimmer

… der Phlegmatiker … das blaue Zimmer

Wer will liest jetzt schon mehr:
Der Choleriker – der Tatmensch und Durchsetzer
von Willenskraft, Zielorientierung und Tatendrang geprägt möchte gestalten, denTon angeben und Ergebnisse sehen
Typische Eigenschaften:
- entschlossen, dominant, ehrgeizig
- handelt schnell und direkt
- übernimmt gern Verantwortung
- wenig geduldig, leicht reizbar
Denk- und Gefühlswelt:
- denkt zielgerichtet und strategisch
- Gefühle äußern sich oft als Ärger oder Ungeduld
- bewertet Situationen danach, ob sie zum Erfolg führen
Stärken:
- hohe Leistungsfähigkeit
- Führungsqualitäten
- setzt Ideen konsequent um
Schwächen:
- Neigung zu Härte und Rücksichtslosigkeit
- geringe Empathie in stressigen Situationen
- kann Konflikte provozieren
Der Melancholiker – der Tiefgründige und Sensible
zeichnet sich durch Ernsthaftigkeit, Genauigkeit und emotionale Tiefe aus hinterfragt viel und sucht nach Sinn und Ordnung.
Typische Eigenschaften:
- analytisch, detailorientiert, gewissenhaft
- sensibel und oft zurückhaltend
- perfektionistisch
- neigt zum Grübeln
Denk- und Gefühlswelt:
- denkt logisch und strukturiert
- beschäftigt sich intensiv mit Problemen
- empfindet Gefühle tief und nachhaltig
Stärken:
- hohe Qualität in Arbeit und Denken
- Zuverlässigkeit
- Fähigkeit zur Selbstreflexion
Schwächen:
- Selbstzweifel und Pessimismus
- Angst vor Fehlern
- kann sich in Problemen verzetteln
Der Sanguiniker – der Lebendige und Kontaktfreudige
geprägt von Lebensfreude, Offenheit und Spontaneität nimmt seine Umwelt vor allem über Eindrücke und Gefühle wahr und reagiert schnell darauf
Typische Eigenschaften:
- sehr gesellig, kontaktfreudig, liebt Gespräche
- mag es neue Menschen kennenzulernen
- begeisterungsfähig, optimistisch
- kreativ, ideenreich, oft impulsiv
- leicht ablenkbar, vergisst schnell Verpflichtungen
Denk- und Gefühlswelt:
- denkt weniger systematisch, sondern eher sprunghaft
- Gefühle wechseln schnell – von großer Freude zu Desinteresse
- lebt stark im „Hier und Jetzt“
Stärken:
- bringt Energie und gute Stimmung in Gruppen
- kann andere motivieren und mitreißen
- unkompliziert im Umgang
Schwächen:
- eher wenig Disziplin und Ausdauer
- oberflächliche Arbeitsweise, schusselig
- Schwierigkeiten, Dinge zu Ende zu bringen
Der Phlegmatiker – der Ruhige und Beständige
geprägt von Ausgeglichenheit, Geduld und Stabilität sucht Harmonie und vermeidet Konflikte
Typische Eigenschaften:
- ruhig, gelassen, zuverlässig
- liebt Routine und Sicherheit
- wenig impulsiv, reagiert langsam
- vermeidet Stress und Veränderung
Denk- und Gefühlswelt:
- denkt pragmatisch und unaufgeregt
- Gefühle sind stabil, aber weniger intensiv
- bevorzugt einfache, klare Lösungen
Stärken:
- behält in schwierigen Situationen die Ruhe
- vermittelt zwischen Menschen
- ausdauernd und verlässlich
Schwächen:
- mangelnde Initiative
- Bequemlichkeit
- Widerstand gegen Veränderungen
















